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Hinweise für eine gerichtsfeste Ladungssicherungs-Organisation

Neukunden fragen mich häufig, ob dieser ganze Aufwand mit Checklisten, Bildern und der ständigen Aus- und Weiterbildung wirklich etwas bringt. Die Kunden vergleichen sich zu Beginn unserer Zusammenarbeit gerne mit dem Wettbewerber, der eben solchen Aufwand nicht betreibt und bei dem alles „viel schneller“ geht. Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind selbstverständlich zu jeder Zeit Ihres beruflichen Daseins frei in Ihrer Entscheidung, ob Sie es dem Wettbewerb gleichtun oder Ihren Job richtig machen wollen!

Schauen Sie sich Ihre Schadensquoten an? Sprechen Sie mit Ihren MitarbeiterInnen im Vertrieb oder Service, um die Stimmung bei Ihren Kunden einzufangen? Streiten Sie sich immer wieder mit Transportunternehmen oder Speditionen, ob Ihre Verpackung wirklich so toll war? Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um über meine Fragen nachzudenken…

 

Je nachdem zu welchem Ergebnis Sie gekommen sind, werden Sie sich zu einer Handlung bewogen fühlen.

 

Struktur und Organisation innerhalb eines Unternehmens beeinflusst den Erfolg oder Misserfolg

Die Struktur und Organisation innerhalb eines Unternehmens oder einer Abteilung kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wenn Sie die „Basics“ strukturiert und Ihre MitarbeiterInnen den positiven Effekt der Basics verstanden haben – dann haben Sie Zeit für die wirklichen Herausforderungen. Im Folgenden habe ich 14 hilfreiche Tipps für den Alltag zusammengestellt.

 

1.     Konstruktion der Produkte

  • Prüfen Sie, ob eine Verpackung erforderlich ist. Falls nicht, bestimmen Sie die Anschlagpunkte an der Ware und lassen Sie diese auf ausreichende Zugfestigkeit prüfen.

2.     Verpackung der Produkte

  • Wenn die Ware eine Verpackung erfordert, prüfen Sie bitte, um welche Art der Verpackung es sich handelt. Berücksichtigen Sie Gefahrgut, verschiedene Verkehrsträger sowie die physische Ladungssicherung.

 

3.     Verladeart der Produkte

  • Legen Sie die Verladeart, wie beispielsweise Kranbeladung von oben, Staplerbeladung von hinten oder der Seite oder Rampenverladung mit Stapler oder Hubwagen fest.

 

4.     Fahrzeugart

  • Je nachdem welche Konstruktion, Verpackung oder Verladeart festgelegt wurde, kann bestimmt werden, welche Fahrzeugart für den Transport nötig ist. Benötigen Sie Tieflader, Planen-Sattelauflieger, Kofferfahrzeug, Megaliner etc.? Auch die besonderen Festigkeiten von Fahrzeugaufbauten oder eventuelles Zubehör gilt es zu definieren (z. B. Code XL, Coilmulde, Temperaturführung, Twist-Locks, Ladekran, Mitnahmestapler, usw.).

 

5.     Ladungssicherungsmethode

  • Je nach festgelegten Konstruktionen, Verpackungen, Verkehrsträgern oder Transportfahrzeugen, muss im Vorfeld die Ladungssicherungsmethode (Niederzurren, Kraftschluss, Direktzurren, Formschluss oder Fahrzeugaufbau) definiert werden.

 

6.     Schulung

  • Lassen Sie alle Verlademitarbeiter nach VDI 2700 von einem Fachmann schulen – am besten als Inhouse Schulung bei Ihnen vor Ort, damit konkret mit Ihrer Ladung trainiert werden kann und auf Probleme live und in Farbe eingegangen wird.

 

7.     Leiter der Ladearbeiten

  • Die Geschäftsleitung muss einen „Leiter der Ladearbeiten“ und einen Vertreter schriftlich nach § 9 OWIG beauftragen. Denken Sie bitte bei Schicht- oder Wechselbetrieb auch an diese Führungskräfte.
  • Diese Personen müssen geschult sein (VDI 2700), damit fachliche Kenntnisse vorliegen.
  • Es muss ein Vorgesetztenverhältnis oder eine Weisungsbefugnis gegenüber den Verlademitarbeitern vorliegen.

 

8.     Verfahrensanweisung

  • Legen Sie mit Ihren MitarbeiterInnen zusammen schriftlich die Verfahrensanweisungen fest. Wie muss welche Ladung verpackt, gesichert und transportiert werden und wer hat welche Aufgaben und Befugnisse?
  • Das Motto: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!“
  • Dies hilft auch, Sprachbarrieren zu verringern.

 

9.     Checkliste

  • Erstellen Sie eine Checkliste für die Ladungssicherung als „roten Faden“ für Ihre MitarbeiterInnen.
  • Diese muss bei der Verladung ausgefüllt und mit Bildmaterial von der Sicherung abgelegt werden.
  • Die Häufigkeit der Dokumentation ist abhängig vom Schadensvolumen und der Anzahl der bußgeldbewährten Verstöße.
  • Als Verlader müssen Sie den Nachweis der ordnungsgemäßen Sicherung erbringen.

 

10.  Organigramm

  • Das Organigramm soll aufzeigen, welche Person zu welchem Bereich der Ladungssicherung zugeordnet ist und wie die Hierarchie im Unternehmen in diesem Bereich aufgebaut ist.
  • Die Aufnahme in ein bestehendes QM–System ist ebenfalls eine sinnvolle Maßnahme.

 

11.  Dokumentationen

  • Legen Sie alle Unterlagen – Prüfung der Anschlagpunkten an der Ladung, Schulungsnachweise, Bestallungsurkunden, Organigramme, Checklisten – chronologisch ab, so dass jeder Außenstehende erkennen kann, wie Sie organisiert sind.
  • Auch eventuelle Bußgelder und deren Maßnahmen, die Sie hier danach eingeleitet haben, sollten dokumentiert werden.

 

12.  Spediteure/Frachtführer/Subunternehmer

  • Unterrichten Sie Ihren Spediteur und Ihre KundInnen (für „ab Werk“ Lieferungen) schriftlich, wie Sie in Ihrem Unternehmen mit dem Thema Ladungssicherung umgehen und was Sie von Ihren Geschäftspartnern gesetzlich erwarten können und müssen.
  • Lassen Sie sich einmal im Jahr von Ihren Stamm-Transportpartnern bestätigen, dass Sie:
    • eine gültige Transportlizenz haben (Kopie)
    • eine gültige Güterschadenhaftpflichtversicherung haben (Kopie)
    • Mindestlohn bezahlen
    • Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten einhalten
    • Drittstaaten-Regelungen einhalten

 

13.  Beförderungsauftrag

  • Im Beförderungsauftrag sollten Sie grundsätzlich einen Text beifügen. In diesem sollte hervorgehen, dass Sie darauf bestehen, dass das Fahrzeug die Ladung sicher aufnehmen kann, die Ladungssicherungsmittel ausreichend dimensioniert und in ausreichender Anzahl vorhanden sowie auch einsatzfähig sind, damit ordnungsgemäß gesichert werden kann. Geben Sie auch benötigtes Zubehör an.

 

14.  Kontrollen

  • Grundsätzlich sind alle Vorgesetzten nach § 130 OWIG zur Aufsichts- und Kontrollpflicht verpflichtet.
  • Schauen Sie sich Verladevorgänge an, reden Sie mit den MitarbeiterInnen ob es Probleme, Sorgen, Nöte bei der Verladung gibt und kontrollieren Sie nochmals die Checklisten und die Bilder von der Ladungssicherung – dokumentieren Sie die Kontrollen.

 

Haben Sie konkrete Fragen rund um Ihre Logistikprozesse, möchten Ihren Schulungsbedarf erörtern oder eine konkrete Frage aus Ihrem Alltag thematisieren? Dann besuchen Sie meine kostenlose wöchentliche Sprechstunde, in der ich Ihre Fragen gerne beantworte, immer mittwochs um 10:00 Uhr.